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Wie Qi Gong lernen mein Leben verändert hat

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Qi Gong – ein wesentlicher Eckpfeiler der traditionellen chinesischen Medizin und eine uralte Bewegungslehre. Qi Gong zu lernen hat zu weitreichenden Veränderungen in meinem Leben geführt. Seit ich Qi Gong lerne hat sich unter anderem meine Fähigkeit mich zu fokussieren und meine Selbstwahrnehmung erheblich verbessert. Darüber hinaus kann ich mit Hilfe von Qi Gong meine Muskulatur gezielt entspannen und meine Körperhaltung verbessern.

Was Qi Gong ist und wie es mir im Alltag hilft, erzähle ich dir in diesem Artikel. 

Qi Gong in der Natur
Qi Gong in der Natur

Was ist Qi Gong?

氣功 Qi Gong ist eine alte chinesische Bewegungslehre. Ein wichtiger Baustein im Gi Gong ist die Atmung. Gezielte Atemübungen mit gleich zeitiger Bewegung führen zu einem meditativen Zustand mit weitreichenden positiven Effekten für Körper und Geist. 

氣 Qi

Qi wird häufig salopp mit “(Lebens)Energie” übersetzt. Wenn man aber das chinesische Schriftzeichen etwas genauer interpretiert, dann geht es um viel mehr als das. Das traditionelle Schriftzeichen steht für Wasser und Feuer. Beides zusammen führt zu Dampf. Qi ist also die Kraft die zu Veränderung führt. Wenn die Sonne ( Feuer ) auf das Wasser scheint, dann verdunstet das Wasser. Und diese Kraft wird als Qi bezeichnet. Eine weitere philosophische Erklärung stammt aus der chinesischen 5-Elemente-Ernährung. Hier kann man das Schriftzeichen auch als einen Reistopf mit aufsteigendem Dampf interpretieren. 

Fakt ist: Qi gibt es überall. Alles was lebt verfügt über ein eigenes Qi. Wenn man das Leben auf eine einzige Zelle reduziert, dann ist der Unterschied zwischen einer lebendigen und einer toten Zelle das Qi. Laut chinesischer Definition von Gesundheit ist man dann gesund, wenn das Qi im Körper frei fließen kann.

功 Gong

Gong kann man schlicht mit “Arbeit” oder “Fähigkeit” übersetzen.

Qi Gong ist somit “die Arbeit mit dem eigenen Qi”. Die Fähigkeit sein eigenes Qi zu lenken, zu sammeln und zu kontrollieren. 

Verschiedene Qi Gong Formen und Facetten

Wer sich etwas mehr mit Qi Gong beschäftigt erkennt allerdings auch ziemlich schnell, dass “Qi Gong” nur ein Überbegriff ist. Es gibt viele verschiedene Arten des Qi Gong. Auch Kung Fu beinhaltet Qi Gong. Wobei man dazu sagen muss, dass Kung Fu weitaus mehr ist als eine Kampfkunst. Kung Fu bedeutet frei übersetzt soviel wie “eine sich hart erarbeitete Fähigkeit” oft in Verbindung mit körperlichen Fähigkeiten. Auch gibt es verschiedene Arten des Qi. Eine Art des Qi ist das sogenannte Li Qi. Das Qi der Muskelbewegung. So wird schnell klar, dass es je nach Ziel der Übung verschiedene Qi Gong Arten gibt. So wird zum Beispiel beim medizinischen Qi Gong der Hauptaugenmerk darauf gelegt, dass das Qi frei im Körper fließen kann. Dazu sind vor allem Atem- und Dehnübungen wichtig. Denn auch verspannte Muskulatur oder steife Gelenke können den freien Fluss des Qi mindern. 

Beim Shaolin Qi Gong beispielsweise geht es mehr da drum den Körper zu transformieren, zu stärken oder mit Hilfe des Qi zu schützen. 

Kurzer Exkurs in die Geschichte

An dieser Stelle lohnt sich ein kleiner Einblick in die Geschichte. Im Zen-Buddhistischen Shaolin Kloster meditieren die Mönche sehr viel auf dem Weg zur Erleuchtung. Allerdings hat man schon vor tausenden von Jahren erkannt, dass das viele sitzen den Körper schwächt. Somit fing man an ein Bewegungsprogramm zu entwickeln um den Körper wieder zu stärken und beweglich zu halten. Dabei imitierte man Bewegungen aus der Tierwelt. Schon sehr früh stellte sich dabei heraus, dass man mit Hilfe dieser Übungen den Körper aber weitaus stärker machen konnte, als man es zu Anfang geahnt hat und somit wurde das Qi Gong auch Teil der Ausbildung für die Kampf Mönche, die das Kloster beschützen sollten. Daraus entstanden beeindruckende Fähigkeiten. So bekamen die Shaolin Mönche schnell einen weit verbreiteten Ruf, der dafür sorgte, dass die meisten Shaolin Mönche gar nicht mehr kämpfen brauchten. ( Das nur als kleiner Ausflug in die Geschichte. Im Grunde genommen hängt Philosophie, Geschichte, Kampfkunst und chinesische Medizin sehr eng miteinander zusammen. Deshalb würde es hier etwas ausführlicher schnell den Rahmen sprengen )

Während es beim medizinischen Qi Gong darum geht, das Qi frei fließen zu lassen geht es bei anderen Qi Gong Formen noch mehr da drum, das Qi gezielt ein zu setzen. Zum Beispiel um eine Qi Stagnation in bestimmten Muskelbereichen herbei zu führen, die die Muskulatur so weit stärkt, dass ein Qi Gong Meister in der Lage ist Beton Blöcke zu durchschlagen ohne sich dabei zu verletzen. Oder aber Schläge und Tritte einzustecken ohne verletzt zu werden. Diese Bereiche nennen sich treffen “Iron Shirt Qi Gong” oder “Golden Bell Qi Gong”. 

Yin und Yang, Bewegung und Konzentration

In der östlichen Welt herrscht eine bipolare Wahrnehmung der Welt. Das heißt alles besteht aus zwei Polen. Im chinesischen spricht man von Yin und Yang. Das Eine kann ohne das Andere nicht existieren. Aber Yin enthält auch immer ein bisschen Yang und umgekehrt. Ohne Hell gibt es kein Dunkel, ohne Tag keine Nacht und ohne Warm gibt es kein Kalt. Doch alles hat auch ein Stück weit mit der eigenen Wahrnehmung zu tun. So geht es beim Qi Gong auch immer um beide Aspekte. So wie das Qi frei fließen können muss, um gesund zu sein. So muss auch das Yin und Yang im Gleichgewicht sein. Viel körperliches Training hat einen starken Yang Charakter und viel Meditation hat einen starken Yin Charakter. Wenn man deutlich mehr körperlich trainiert als man sich geistig entspannt, dann führt das zu einem hohen Yang Aspekt. Das Yin wird dabei vernachlässigt und Yin und Yang geraten aus dem Gleichgewicht. Krankheiten und Unwohlsein können die Folge sein. Das ist der Grund dafür warum zum Beispiel auch Sportler, die sich sehr viel bewegen und auf die richtige Bewegung achten, Muskel und Gelenk Probleme bekommen können. 

Fakt ist: beim Qi Gong werden stets beide Aspekte, Yin und Yang, berücksichtigt. So kann man einerseits durch körperliche Bewegung Einfluss auf sein eigenes Qi nehmen als auch durch meditative und kognitive Übungen. 

Yin und Yang beim Qi Gong
Yin und Yang, Bewegung und Konzentration

Qi Gong – Meditation in Bewegung

Weil beide Aspekte, Yin und Yang, Berücksichtigt werden, wird Qi Gong auch gerne als “Meditation in Bewegung” bezeichnet. Beim Ausführen einer körperlichen Übung zusammen mit der gezielten Atmung und zeitgleicher Visualisierung ( bzw. geistiger Vorstellung ) lässt sich das Qi aus der Umwelt aufnehmen, im Körper sammeln und gezielt lenken. Für den größtmöglichen Effekt ist daher auch der Ort und die Uhrzeit des Qi Gong Trainings wichtig für die Auswahl der richtigen Form. Während einige Qi Gong Formen viel Qi bewegen und daher belebend und aufmunternd wirken, sind andere Formen eher entspannend. Es macht also wenig Sinn eine belebende Form vor dem Schlafen gehen zu praktizieren. Der Ideale Ort zum praktizieren ist bestenfalls in der Natur. Einige Qi Gong Übungen zielen darauf ab, über die Atmung Qi im Körper anzureichern. Dafür geht man am besten raus, denn in der freien Natur steht das meiste Qi zur Verfügung. Kleiner Tipp: Dabei sollte man nur darauf achten, dass man die Körper Vorderseite zum Wind dreht.

Falls man nicht die Möglichkeit hat Qi Gong regelmäßig draußen zu üben, kann sich daraus auch einen Nutzen ziehen. Wenn du zufällig in einer drei Zimmer Wohnung wohnst, in der dritten Etage und in der Einflugschneise eines Flughafens oder am Bahnhof, kannst du mit Qi Gong trainieren deine Außenwelt auszublenden. So kannst du lernen auch in stressigen Situationen entspannt und fokussiert zu bleiben.

Vorteile durch Qi Gong Training

Auch wenn es sich jetzt erstmal so anhört als wäre Qi Gong Wahnsinnig komplex ist es mit ein bisschen Zeitaufwand gut zu erlernen. Wichtig ist erstmal einen guten Meister oder gutes Lehrmaterial zu finden. Dann kopiert man erstmal nur die körperlichen Übungen. So lange bis sie einem in Fleisch und Blut übergehen. Danach achtet man mehr und mehr auf die richtige Atmung, die zur jeweiligen Übung gehört. Wenn das beides funktioniert, dann kann man gezielte Visualisierung dazu nehmen. Wichtig ist nur: mache es du DEINEM Qi Gong. Bleibe im Rahmen deiner körperlichen Fähigkeiten. Erzwinge keine Bewegung. Die Bewegungen sollten stets leicht und MIT der Atmung sein. Mit der Zeit wird sich die Wahrnehmung deines eigenen Körpers verbessern. Und da sind wir auch schon beim ersten Vorteil. 

Mit Qi Gong verbesserst du deine Selbstwahrnehmung. Du trainierst dich zu fokussieren. Darüber hinaus verbesserst du deine Beweglichkeit und Gelassenheit. Je nach Qi Gong Form trainierst du sogar deine Kraft und deine Ausdauer. Du arbeitest also aktiv an deiner Gesundheit. Du bringst dein Yin und Yang in Gleichgewicht und sorgst dafür, dass dein Qi frei fließen kann. 

Qi Gong in der Natur - auf der Pferde Koppel :-)
Qi Gong in der Natur – auf der Pferde Koppel 🙂

Nachteile vom Qi Gong Training

Im Wesentlichen gibt es keinen Nachteil beim Qi Gong. Am Anfang kann es jedoch passieren, dass dein Körper alte Wehwehchen wieder hervorholt, von denen du dachtest sie wären schon verheilt. Das geschieht weil du deine Selbstheilungskräfte wieder aktivierst. Dadurch werden möglicherweise verdrängte Wunden wieder akut, damit der Körper sie vernünftig ausheilen kann. Dies war bei mir der Fall mit einer alten Rippen Prellung zum Beispiel. Ich dachte die Rippen Prellung wäre ausgeheilt gewesen. Dabei hat die Rippen Prellung nur zu einer Fehlhaltung geführt. Je mehr Qi Gong meinen Körper wieder gerade ausgerichtet hat, desto akuter wurde die Rippen Prellung wieder, bis sie dann wirklich komplett ausgeheilt war. Auch kann es dir passieren, dass dir zwischendurch schwindelig wird. Sollte das der Fall sein, mache die Übung etwas langsamer oder weniger “weit” bis sich dein Körper daran gewöhnt hat. Möglicherweise bekommst du auch Schweißausbrüche, kurzzeitige Atemnot oder du spürst ein kribbeln in manchen Körperregionen. Das alles kann am Anfang normal sein, wenn dein Qi wieder anfängt frei zu fließen und sich Blockade auflösen, die vielleicht schon länger bestanden. Wenn du ein leichtes kribbeln spürst: herzlichen Glückwunsch, du spürst das erst Mal dein eigenes Qi. Es fühlt sich ein bisschen so an als wäre ein Körperteil eingeschlafen nur, dass das kribbeln nicht so intensiv ist. Das Qi hat eher ein angenehmes und warmes kribbeln.

Mein Fazit zum Thema Qi Gong

Ich kann nur jedem empfehlen Qi Gong eine Chance zu geben. Ich denke wirklich wenn mehr Menschen auf der Welt Qi Gong praktizieren würden hätten wir weniger Probleme. Qi Gong führt zu körperlichem sowie seelischem Wohlbefinden. Du hast mit Qi Gong die Chance die Mitte in dir zu finden. Du wirst ausgeglichener, Emotionale Entgleisungen werden weniger, du wirst konzentrierter und fokussierter wodurch dir deine Arbeit leichter von der Hand gehen wird. Du heilst alte Wunden. Kurzum Qi Gong wird dein Leben genauso positiv verändern wie meins – da bin ich mir sicher. 

Wenn du mehr da drüber erfahren möchtest kann ich dir folgende Seiten und Meister und deren YouTube Kanäle ans Herz legen:

Weiterführende Links:

2 Gedanken zu „Wie Qi Gong lernen mein Leben verändert hat

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